ARGUMENTARIUM

Girls Groups

Für starke Mittelschulen im Kanton Schwyz

Die kantonale Volksinitiative ist ein politisches Recht, das in der Schwyzer Verfassung verankert ist. Sie ermöglicht es den Stimmberechtigten, sich dezidiert zu Themen zu äussern. Die beiden Volksinitiativen für starke Mittelschulen verfolgen zwei unterschiedliche Ziele. Die erste Initiative verlangt, dass an der bewährten regionalen Verteilung und an der für das Lernklima optimalen Grösse der Mittelschulen festgehalten wird. Die zweite Initiative will, dass der Kanton an die privaten Mittelschulen ab Schuljahr 2022/23 faire Beiträge leistet. Weil die beiden Fragen grundsätzlich unterschiedlich beantwortet werden können, ist es notwendig, zwei Initiativen zu lancieren. So ist sichergestellt, dass die Einheit der Materie gewahrt wird.

Ein/e Schüler*in an den kantonalen Gymnasien kostet den Kanton rund 25’000 Franken

Der Bericht des Regierungsrats vom 28. September 2021 zur Volksinitiative «Für eine faire Mittelschulfinanzierung» bestätigt, was die privaten Mittelschulen seit langem sagen: Im Durchschnitt kostet ein/e Schüler*in im Gymnasium einer kantonalen Mittelschule inklusive Gebäudekosten von 3’837 Franken, aber nach Abzug der Schulgelder, 25’343 Franken. Dies ist der Durchschnitt der beiden Schulen für die Jahre 2018 bis 2020. In dieser Zeit beliefen sich die Kosten an der KKS auf 27’992 Franken und an der KSA auf 22’695. Der Betrag ist damit gegenüber der Finanzanalyse des Finanzdepartements für das Schuljahr 2013/14 um mehr als 1’000 Franken gestiegen. Damals betrug der Mittelwert 24’053 Franken.

Die Kosten werden nach dem Neubau der KSA massiv ansteigen

Der Neubau der KSA und die Sanierung von Nuolen werden den Kanton 111.65 Mio. Franken kosten. Damit werden auch die durchschnittlichen jährlichen Kosten pro Schüler*in massiv ansteigen. Bei einer Abschreibung von 25 Jahren werden die Gebäudekosten an der KSA pro Schüler*in 7’667 Franken betragen. Der Betrag ist damit um rund 3’900 Franken höher als jener, der in der Finanzanalyse berechnet wurde (3’836 Franken). Die durchschnittlichen Kosten pro Schüler*in an den kantonalen Schulen werden nach Realisierung des Neubaus der KSA auf 27’259 Franken steigen.

Die privaten Mittelschulen erhalten aktuell rund 5’600 Franken weniger

Seit der Teilrevision des Mittelschulgesetzes im Jahr 2015 erhalten die privaten Mittelschulen einen kantonalen Beitrag pro Schüler*in von 19’500 Franken. Weil dieser indexiert ist, belief er sich in den letzten Jahren auf rund 19’700 Franken. Die privaten Mittelschulen erhalten somit aktuell pro Schüler*in rund 5’600 Franken weniger, als der Kanton an die kantonalen Schulen bezahlen muss. Auch bei einer Erhöhung des kantonalen Beitrags auf 21’000, wie sie der Gegenvorschlag vorsieht, würde die Differenz noch mehr als 4’300 Franken betragen. Das ist unfair. Um diese Unterdeckung auszugleichen, sehen sich die privaten Mittelschulen gezwungen, von den Eltern ein höheres Schulgeld zu verlangen. Nach Fertigstellung des Neubaus in Pfäffikon und der Sanierung von Nuolen wird die Differenz zum beantragten kantonalen Beitrag von 21’000 Franken sogar mehr als 6’000 Franken betragen.  

Mittelfristig ist die Existenz der privaten Mittelschulen gefährdet

Es liegt auf der Hand, dass der kantonale Beitrag von 19’700 Franken bei weitem nicht ausreicht, um die Existenz der drei privaten Mittelschulen Einsiedeln, Immensee und Ingenbohl mittelfristig zu sichern. Bereits heute akut gefährdet ist das Theresianum Ingenbohl, weil es von allen drei privaten Mittelschulen am meisten Schüler*innen aus dem Kanton Schwyz zählt und deshalb von der Unterdeckung am stärksten betroffen ist. Aber auch in Einsiedeln und Immensee ist die finanzielle Situation prekär. In Einsiedeln finanziert zurzeit noch das Kloster die Unterdeckung. In Immensee stehen grosse Investitionen in die Sanierung an, die mit dem gegenwärtigen finanziellen Beitrag nicht finanziert werden können.

Der Kanton hat auf dem Buckel der privaten Mittelschulen mehr als 9 Mio. Franken gespart

Gemäss Finanzanalyse des Bildungsdepartements betrugen die durchschnittlichen Kosten der drei privaten Mittelschulen in den letzten drei Jahren 22’062 Franken. Der kantonale Beitrag lag somit um rund 2’400 Franken unter den effektiven Kosten der drei Schulen. Seit dem Entlastungsprogramm des Kantons, als die Beiträge im Schuljahr 2015/16 ein erstes Mal massiv gekürzt wurden, und der Teilrevision des Mittelschulgesetzes haben die privaten Mittelschulen 9.1 Mio. Franken zu wenig erhalten, damit sie ihre Kosten decken können. Es wäre nichts als fair, wenn der Kanton den privaten Mittelschulen diesen Betrag zurückerstatten würde.

Fast die Hälfte aller Schwyzer Schüler*innen besuchen eine private Mittelschule

In den letzten sechs Schuljahren haben durchschnittlich 626 aller Schwyzer Schüler*innen eine private Mittelschule besucht. In dieser Zahl sind die Schüler*innen in den Untergymnasien von Einsiedeln und Immensee nicht berücksichtigt. Am meisten Schüler*innen hatte Ingenbohl mit einem Anteil von 47% gefolgt von Einsiedeln mit rund 33 % und Immensee mit rund 20 %. Müsste der Kanton selber diese Schüler*innen aufnehmen, hätte er ein grosses Problem. Er müsste dann Schulraum für mehr als 600 Schüler*innen schaffen. Das entspricht einer Schule in der Grössenordnung der KSA. Was ein solcher Neubau kosten würde, zeigen die Kosten der KSA.

Schüler*innen aus den Konkordatskantonen haben weitere finanzielle Einbussen zur Folge

Gemäss dem Regionalem Schulabkommen Zentralschweiz, das der Kanton mit den anderen Zentralschweizer Kantonen abgeschlossen hat, bezahlen die Konkordatskantone lediglich einen Beitrag von 16’700 Franken an Schüler*innen im Gymnasium und 16’100 Franken an jene in der FMS/ FMP. Bei durchschnittlichen Kosten von 22’062 Franken stellt dies eine Unterdeckung von rund 5’400 Franken im Gymnasium und 6’100 Franken in der FMS dar. Von dieser Unterdeckung am stärksten betroffen sind Ingenbohl und Immensee. Während die privaten Mittelschulen die Unterdeckung selber finanzieren müssen, übernimmt an der KSA die Unterdeckung, die aus dem Regionalen Schulabkommen Ostschweiz resultiert, der Kanton. Die Aussage des Regierungsrats, dass diese Forderung im Initiativbegehren «schlicht nicht umsetzbar» sei, läuft damit ins Leere.

Die Kosten an der FMS sind etwas tiefer als am Gymnasium

Die Finanzanalyse des Bildungsdepartements zeigt, dass die Kosten pro Schüler*in an der FMS etwas tiefer sind als im Gymnasium. Allerdings können die Kosten stark schwanken. Es gab wiederholt Jahre, in denen die Kosten der FMS im Theresianum höher waren als jene im Gymnasium. Zudem fallen an der FMP Kosten an, die nicht angemessen abgegolten werden. Es ist deshalb zu begrüssen, dass der Regierungsrat an einem einheitlichen Beitrag für GYM und FMS festhalten will.

Fusion von KKS und Theresianum führt nicht zu Einsparungen

Eine Fusion von KKS und Theresianum wird politisch oft damit begründet, dass dies zu Einsparungen führen wird. In seinem Bericht zur Initiative «Für eine dezentrale Mittelschullandschaft bestätigt auch der Regierungsrat, dass die Fusion zu keinen Einsparungen führen wird. Einsparungen wären höchstens bei einer Reduktion der Klassen zu erwarten. Diese ist aber sehr unwahrscheinlich, weil die durchschnittliche Klassengrösse an den beiden Schulen in den letzten Jahren meistens bei 20 Schüler*innen lag. Die Annahme, dass bei einer Fusion von KKS und Theresianum 10 % der Stellen beim Verwaltungspersonal eingespart werden könnten, ist völlig unrealistisch. Zudem befremdet, dass der Regierungsrat zwar von einer mittelfristigen Erweiterung einer Kantonsschule Innerschwyz von 600 auf 700 Schüler*innen ausgeht, zu den daraus resultierenden Investitionskosten in seinem Bericht aber keine Aussagen macht.

Attraktives Bildungsangebot erhalten

Die privaten Mittelschulen tragen mit ihren unterschiedlichen Schulkulturen, innovativen Lernformen und dem klassisch-humanistischen Bildungsangebot in Einsiedeln und Immensee wesentlich zum attraktiven Mittelschulangebot im Kanton bei. Auch dass es im Talkessel zwei Mittelschulen gibt, ist für die Jugendlichen ein grosser Vorteil, weil sich die beiden Angebote wesentlich unterscheiden. Während die Klassen an der KKS gemischt sind, steht das Gymnasium des Theresianum nur jungen Frauen offen. Diese schätzen es sehr, in dieser Lebensphase eine Schule besuchen zu können, in der nur junge Frauen unterrichtet werden. Die Schliessung des Theresianum wäre deshalb ein grosser Verlust.

Kleinere Schulen bieten Gewähr für ein familiäres und positives Lernklima

Je grösser eine Schule ist, desto anonymer wird sie, desto grösser wird auch die Distanz der Lehrpersonen zu den Schülerinnen. Die Lehrpersonen sind in einer grossen Schule kaum mehr in der Lage, auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Schüler*innen einzugehen. Das aber ist gerade in der Lebensphase, in der sich Schüler*innen an den Mittelschulen befinden, von grosser Bedeutung. 

Zahl der Mittelschüler*innen wird steigen

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Zahl der Übertritte in die nachobligatorische Bildung in den letzten Jahren im Kanton Schwyz um 15 Prozent zurückgegangen. Inzwischen aber ist die Talsohle erreicht. In den nächsten Jahren werden die Zahlen wieder sukzessive ansteigen. Dazu kommt, dass im inneren Kantonsteil viele neue Wohnungen gebaut werden. Die Bevölkerung wird deshalb weiterwachsen. Damit wird auch die Zahl der Mittelschüler*innen zunehmen.

Geeignete Schulräume leer stehen zu lassen ist ein Verhältnisblödsinn

Schon heute zeichnet sich ab, dass der Platz im Westflügel des Kollegi nicht ausreicht, um 700 Schüler*innen aufzunehmen. Deshalb müsste schon bald ein Teil der Verwaltung im Ostflügel ausgelagert werden. Zudem müsste gemäss Einschätzung des Hochbauamts eine neue Sporthalle gebaut werden. Würden die KKS und das Theresianum am Standort Schwyz zusammengeführt, ist mit erheblichen zusätzlichen Kosten für den Umbau der KKS zu rechnen. Bei einem Verzicht auf die Zusammenführung braucht es diese Investitionen nicht. Die Räumlichkeiten an der KKS könnten für andere Zwecke genutzt werden. Es macht keinen Sinn, in einen Umbau im Kollegi zu investieren, wenn im Theresianum genügend Räumlichkeiten vorhanden sind, die bei einer Zusammenführung auf lange Zeit leer stehen werden.

Ein wichtiger Standortvorteil

Ein attraktives Bildungsangebot ist ein wichtiger Faktor im interkantonalen und internationalen Standortwettbewerb. Mittelschulen spielen hier eine zentrale Rolle. Viele Unternehmen und Familien entscheiden sich nicht zuletzt aufgrund der Nähe von Mittelschulen für einen Firmenstandort oder Wohnsitz. Von den Mittelschulen in der jeweiligen Region profitieren aber auch die Gemeinden und Bezirke. Gerade die privaten Mittelschulen haben oft eine Ausstrahlung, die weit über den Kanton hinaus geht. Nicht zuletzt haben die Mittelschulen auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Sie schaffen Arbeitsplätze, generieren Steuereinnahmen und tragen Wesentliches zur Wertschöpfung für die jeweilige Region bei.